Tenzin

 — Ein griesgrämiger, alter Kauz.

Biografie

Meister Tenzin ist ein offenes Buch - zumindest, was seinen ungenießbaren Charakter anbelangt.

Wer auch immer dem unglücklichen Umstand unterliegt, die qualvolle Bekanntschaft mit diesem alten Mann machen zu müssen, benötigt bloß den Bruchteil eines Augenblicks, um zu erahnen, welch leidvolles Unheil ihn sogleich erwartet. Tenzins faltiges, griesgrämig zerfurchtes Gesicht mit dem wirren Barthaar und der strengen Brille spiegelt nämlich den vermutlich einzigen Gemütszustand wider, zu dem der alte Kauz fähig ist: Übellaunigkeit.

Hierbei spielt es keine Rolle, wem er gegenübersteht: Ob Mann oder Weib, ob alt oder jung, ob von edler, adeliger Abstammung oder der dreckigen Gosse entsprungen, ob Mensch, Elfe oder Riese - es kümmert diesen grummeligen Magier nicht, wer man ist und woher man stammt. Er lässt seine schlechte Laune und stete Unzufriedenheit an allem und jedem aus, der ihm in die Quere kommt, und meckert selbst die lauteste Ziege stumm und leidig. Was auch immer ihm widerfährt, es passt ihm nicht. Und jeder Versuch, es ihm recht zu machen, ist vergebene Müh.

Die wenigen weltlichen Gelüste, derer er sich sogar in seinem hohen Alter noch regelmäßig erfreut, sind vermutlich so alt wie das Leben selbst: Wein und schöne Frauen. Nicht selten ertappt man ihn des Abends mit roter Nase in Tavernen oder Lusthäusern - gerötet vor Betrunkenheit oder leicht blutend vom Anblick nackten, wohl geformten Fleisches. Trotzdem kann man nicht behaupten, dass er besonders trinkfest oder... nun ja... standhaft ist.

Dass er magisch begabt ist, erahnen vermutlich bloß die wenigsten. Er ist kein Zauberer, der wild mit Feuerbällen und Blitzen um sich wirft, wenn Gefahr droht oder jemand besonders lästig wird - was, wie bereits erwähnt, auf quasi jeden zutreffen dürfte. Nein, Meister Tenzin knüppelt törichte Wegelagerer und andere Schergen eher mit seinem Wanderstab oder seinen Fäusten nieder, als dass er Magie wirkt. 'Grober Unfug!', mag man sich da denken, 'der ist doch uralt und gebrechlich!' Tja, das hat sich so manch ein Bandit gedacht, als er beim Anblick des alten Griesgrams leichte Beute witterte. Wie Meister Tenzin dieses körperliche Kunststück trotz seines hohen Alters vollbringt, bleibt bis heute sein Geheimnis. Auch weiß niemand, ob er wirklich ein mächtiger Zauberer ist, wie manche munkeln, oder bloß ein cleverer Gaukler, der sich bisweilen doch dazu genötigt sieht, das ein oder andere Hinterteil in Flammen aufgehen zu lassen. Begegnet Tenzin jedoch einem Zauberer, der seine Magie vor seinen Augen wirkt, dauert es keine drei Sekunden, bis er sich furchtbar in Rage redet und etwas von 'respektlosem und törichtem Umgang mit dieser Gabe' faselt.

Wie dem auch sei... Meister Tenzin lebt manchmal monate- oder jahrelang zurückgezogen als Einsiedler in der Wildnis, fernab der großen Städte. Nun ja, solange, bis ihn irgendwann die Langeweile aus seinem Schildkrötenpanzer zurück in die Zivilisation treibt. Oder die leeren Weinkrüge. Oder die Lust auf entblößte Weiber.