Neliko

 — Die Kommandantin wider Willen

Biografie

Neliko wurde in einer stürmischen Nacht auf einem Hof in Calpheon geboren. Ihre Eltern waren einfache Bauern und sehr abergläubisch. Im Moment ihrer Geburt schlug ein Blitz in der Nähe des Hofes ein und versetzte den wenigen Tieren einen so großen Schrecken, dass sie durchdrehten, die Stalltür eintraten und davon liefen. Dieses Zeichen und die unnatürlich blauen Augen ihrer Tochter ängstigten die Bauern so sehr, dass sie glaubten, ihr Kind sei verflucht. Zu gütig sie einfach auszusetzen oder umzubringen gaben ihre Eltern Neliko, die bis dahin noch keinen Namen hatte nach drei Tagen in einem Waisenhaus als Findelkind ab. Das Baby war ganz unterernährt und schwach, als die Pflegerinnen des Heims sich ihrer annahmen.


Unter den Pflegerinnen befand sich eine junge Magierin des Falkenordens, deren Aufgabe es war Kinder mit magischer Begabung zu finden. Unter einem Vorwand adoptierte sie das Mädchen und taufte es Neliko. Damit nahm sie das Baby mit zum Orden in das westliche Gebirge von Balenos. Von dort an wurde Neliko im Orden großgezogen und ausgebildet. Die Magierin, die sie aus dem Heim gebracht hatte, wurde für das junge Mädchen zu einer Art Mutter und Schwester zugleich. Als Neliko vier Jahre alt war, verließ die Magierin den Orden wieder um sich erneut auf Suche nach begabten Kindern zu begeben. Der Abschied war für beide schwer. Von ihren leiblichen Eltern wollte sie bis dahin nichts wissen.


Von Kindesbeinen an wurden den Anwärtern Werte wie Ehrlichkeit, Gleichheit, Güte und Tugendhaftigkeit vermittelt. Diese Werte wurden für die kleine Neliko, wie für andere zur Lebenseinstellung. Während alle Kinder eine Ausbildung bestehend aus: Kämpfen, Überleben, Strategie, Haushalts- und Gesellschaftslehren, sowie Naturwissenschaftlichen Lehren erhielten, wurden die Kinder mit magischer Begabung, zu denen aus Neliko zählte, durch Magier an die Nutzung ihrer Fähigkeiten herangeführt.


Innerhalb des Ordens ist ein Vorfall bekannt, bei dem die junge Novizin versehentlich einen Heuwagen in Brand steckte und fast einen Großbrand auslöste. Neckische Kommentare muss sie sich bis heute darüber anhören. Mit fünfzehn Jahren schwor sie mit den anderen Novizen dem Orden die Treue. Bis dahin war ihre Grundausbildung beendet. Ab diesem Zeitpunkt entschloss sie sich aus Überzeugung den Weg eines Paladin zu gehen, deren Aufgabe es ist die Bürger zu beschützen und böse magische Erscheinungen zu bannen. Die Matriarchin des Ordens persönlich jedoch, sah für sie eine andere Aufgabe voraus.


Neliko, galt unter den Novizen nicht nur als gute Kämpferin und Strategin, sie war auch ein Vorbild, was die Werte des Ordens anbelangten. Sie kümmerte sich oft um andere, ohne jemals eine Gegenleistung zu Verlangen. Somit beschloss die Matriarchin, sie sollte die Laufbahn eines Offiziers einschlagen und irgendwann eine Führungsrolle übernehmen. Neliko begriff diese Entscheidung nicht und sah sich keinesfalls in einer Führungsposition. Das Wort der Matriarchin galt im Orden als Gesetz und trotzdem bat Neliko darum, die vorher nie um etwas gebeten hatte, den Weg eines Paladin einschlagen zu dürfen.


Die Matriarchin stimmte zu, aber unter einer Bedingung. Sie musste die Offizierslaufbahn dennoch einschlagen. Die junge Kriegerin nahm an und hatte fortan mehr als je zuvor zu lernen. Hinzu kam regelmäßiger Außeneinsatz um die Fähigkeiten der Novizen zu prüfen. So trug es sich zu, dass Neliko mit einer Gruppe anderer Schüler zu einer Untersuchung an der Grenze zu Calpheon herangezogen wurde, bei dem Banditen einen Hof überfallen hatten. Das Bild, das sich den Heranwachsenden darbot war schrecklich. Der Hof war bis auf die Grundfesten hinunter gebrannt und die Tiere abgeschlachtet. Der Besitzer des Hofes hing mit Speeren festgenagelt am steinernen Eingangstor und eine trauernde Frau kniete in zerissenen Kleidern weinend davor. Es war eine Tat aus purem Hass.


Der Anblick erschütterte ihren Glauben sehr. Wieso sollte jemand so etwas tun? Als sie sich der Frau vorsichtig näherte und diese ansprach, brach diese vor ihr fast zusammen. Sie fiel Neliko um den Hals und weinte bitterlich. Ihre Worte konnte die junge Kriegerin jedoch zu Anfangs nicht begreifen. Die Frau bat sie immer wieder um Vergebung, dankte gleichzeitig ihrem Gott und sagte, dass sie ihre Mutter sei. Als sie die Worte begriff und der Frau in ihre von Tränen roten und von Schlägen gezeichneten Augen sah, wusste sie, dass es die Wahrheit war. Schock und Angst ergriffen Neliko, aber sie konnte nicht anders als ihre Mutter zu umarmen und.. ihr zu vergeben. Rachegefühle und Hass breiteten sich in ihrem reinen Herzen aus und mit ihren Kameraden führte sie die Banditen nach einem Tag der Verfolgung schließlich der Gerechtigkeit zu, so der offizielle Bericht. Gerüchten zur Folge soll es ein gnadenloser Racheakt gewesen sein, der das Lager der Banditen in Schutt und Asche hinterließ. Sowohl Neliko als auch ihre Kameraden beharren auf der offiziellen Version. Fakt ist allerdings, dass in der Nähe der Position des Lagers nichts als Schutt und ein abgebranntes Lager vorzufinden war und Neliko seit dem eher zurückgezogen wirkte. Nachdem sie ein persönliches Gespräch mit der Matriarchin führte, wurde diesen Gerüchten von oberster Stelle Einhalt geboten und nie mehr ein Wort darüber verloren.


Neliko setzte ihre Ausbildung fort. Nach weiteren zwei Jahren wurde sie in den Rang eines Lieutenant erhoben, ein Unteroffiziersrang. Zur gleichen Zeit legte sie ihren Schwur als Paladin des Ordens ab. Wenig später bekam sie von der Matriarchin persönlich den Auftrag nach Calpheon zu reisen und die Werte des Ordens zu verbreiten. Sie hatte bereits davon gehört, dass der Orden fähige Mitglieder entsendete um an anderen Orten Fuß zu fassen und zu lehren. Schwermütig akzeptierte sie die Entscheidung, da sie sich immer noch nicht als Führungspersönlichkeit sah und verabschiedete sich auf unbestimmte Zeit von ihren Kameraden. Sie bekam ein Pferd und Vorräte für die Reise und machte sich auf den Weg...